Deutsche Nahkampf-Ausbilder der Bundeswehr haben erstmals US-amerikanische Soldaten in Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia zum "Ausbildungsleiter militärischer Nahkampf" ausgebildet. Hauptfeldwebel Bert Bauer erhielt für seine Unterstützung den amerikanischen St. Maurice-Orden.

Neben Hauptfeldwebel Bauer, als Hörsaaleiter für den militärischen Nahkampf, gehörten Hauptfeldwebel Sebastian Schmid und Oberfeldwebel Simon Fengler zur deutschen Delegation. Die Soldaten der V. Inspektion des Ausbildungszentrums Infanterie in Hammelburg bildeten in einem dreiwöchigen Lehrgang fünf Soldaten und einen Zivilangestellten der US Army Infantry School, Fort Benning, dem US-amerikanischen Pendant zum Ausbildungszentrum Infanterie, aus. In der ersten Woche standen eine Einführung in bewaffnete und unbewaffnete Angriffstechniken, der Einsatz der Primär- und Sekundärbewaffnung eines Soldaten im Nahkampf und die Abwehr von Messerangriffen auf dem Lehrplan. In der zweiten Woche folgten Befreiungstechniken aus Würge- und Klammerangriffen, Bodenkampf und der Einsatz von Handschellen. In der dritten Woche wandten die Lehrgangsteilnehmer die gelernten Techniken in Übungen und Parcours an.

Sergeant First-Class Timothy Farris, Lehrgangsleiter des US-amerikanischen Nahkampflehrgangs, sagte über die deutsche Ausbildung: "Sie hat viele gute Techniken, insbesondere wird die mentale Einstellung zum militärischen Nahkampf wirklich gut ausgebildet. Die zahlreichen Waffenwechsel sorgen dafür, dass der Lehrgangsteilnehmer seine gesamte Ausrüstung im Nahkampf einsetzt. Wir sind daran interessiert, dies auch in unserer Ausbildung auszuprobieren." Der internationale Vergleich helfe Schwächen in der eigenen Ausbildung zu finden. "Letzten Endes gilt es, eigene Schwächen zu beheben, bevor diese im Ernstfall das eigene Leben oder das eines Kameraden gefährden", sagt Farris. Und weiter: "Die neuen Denkansätze der deutschen Ausbildung könnten letztlich der Schlüssel dazu sein, am Leben zu bleiben."

Hauptfeldwebel Bauer verglich die Ausbildung beider Länder: "In Deutschland setzen wir in der Nahkampfsituation alles ein, was wir zur Verfügung haben: Unser Gewehr, die Pistole, Messer und was sonst noch greifbar ist. Die Amerikaner setzen eher auf Kampftechniken wie Kickboxen, Grappling oder Wrestling und bilden stärker im Bodenkampf aus." Die internationale Kooperation helfe beiden weiter: "Wir lernen voneinander." Für die deutsche Ausbildung gelte es, schnellstmöglich den Einsatz so genannter Farbmarkierungsmunition einzuführen, die in den USA bereits verfügbar ist: "Damit könnten wir den schnellen Übergang zwischen dem Kampf auf wenigen Metern mit der Waffe sowie dem Nahkampf im Vollkontakt üben", erklärt Bauer. Farbmarkierungsmunition hat ähnliche Eigenschaften wie scharfe Munition, hinterlässt beim Aufprall auf ein Ziel jedoch lediglich einen Farbfleck, so dass keine Verletzungen entstehen.

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In der Abschlusszeremonie erhielten die amerikanischen Lehrgangsteilnehmer die Qualifikation "Ausbildungsleiter militärischer Nahkampf" der Bundeswehr. Tim Farris betonte die entstandenen Freundschaften: "Die internationale Nahkampf-Communitiy ist klein. Wenn man sich jeden Tag gegenseitig verprügelt, entsteht eine wirklich starke Bindung. Man entwickelt eine gute Freundschaft mit seinen Kameraden, weil man sich jeden Tag gegenseitig etwas besser macht." Auf Hauptfeldwebel Bauer, der bereits mehrfach an deutsch-amerikanischen Ausbildungskooperationen im militärischem Nahkampf beteiligt war, wartete eine besondere Überraschung: Er erhielt den "Order of Saint Maurice" der US-amerikanischen Infanterie in der Stufe "Peregrinus". Diesen Orden erhalten ausländische Soldaten, welche der US-Infanterie in besonderer Weise weitergeholfen haben.

Jan Volkmann